Archiv

Xplore Wien 2013

Aktuell sind 33 Gäste und keine Mitglieder online

xplore04-Über die xplore 2004 von Sato (SCHLAGZEILEN Vol.77)


Angesprochen fühlten sich BDSMer, Tanzinteressierte, Yoga und Tantra Adepten, ZaZen-Meditierer und Menschen, deren sex. Horizonte geöffnet sind für Themen von 'Analen Vergnügen für Anfänger u Fortgeschrittene' bis hin zu 'Sinnliches Spielzeug'.

Felix Ruckert, dessen Kompanie mit über 80 Aufführungen zu den aktivsten der Berliner Tanzszene gehört, erforscht in seinen Arbeiten Körpererfahrungen, Rituale, Sexualität und interessiert sich seit Jahren auch für BDSM.
14 Dozenten aus aller Welt, die mit dem Phänomen Sexualität spielen, arbeiten und forschen, gaben in 45 Workshops nicht nur theoretischen Einblick in Techniken und Rituale, die von spiritueller, therapeutischer, ästhetischer oder einfach nur von purer Lust erzählten. Jeder dieser ungewöhnlichen Menschen stellte in 3 Workshops seine Themen vor, die hier leider nur auszugsweise aufgeführt werden können:
Aus Deutschland kam Matthias Grimme, in dessen Workshop man seine Bondagekünste verfeinern konnte. Zusammen mit Andrea von den SZ wurde zum Thema 'Grenzspiele' u.a. über Sicherheit und Gefahren bei TPE (total power exchange) gesprochen. Birgit S. bot 'Spiel mit den Sinnen' und 'Verhandeln einer Szene' an. Das Berliner Diamond Lotus Institut ermöglichte praktische Übungen aus der alten indischen Liebestechnik Tantra und Rudolf von Lippe übte mit 'Zen – Durchlässigkeit, Hingabe und Schmerz' an einem direkteren Zugang zu SM ohne jegliches Rollenspiel.
Delta Ra'i richtete seine Workshops an Flag und Spanking-Interessierte, um sie in die hohen Kunst des erotischen Schlagens einzuführen. 'Partner Yoga' und 'Das lustvolle Becken' wurde von Ilka Stoedtner vertreten und 'Sinnliches Spielzeug' von Sabine Hofmann. Der 'Atemkontrolle' von Katrin Passig sowie dem 'Spiel mit Nadeln' von Paula Rosengarten waren Workshops gewidmet, in denen natürlich der Sicherheit eine wichtige Rolle eingeräumt war.
Felix Ruckert selbst ermöglichte in Gruppen wie 'Haut', 'Berührung' und 'Urbane Rituale' die szenische Realisierung aus Teilen seiner Tanzprojekte, z.B. das Ein- und Nachfühlen in Dom/Sub – Situationen. Hagen aus Berlin ließ mit 'Wachs' und 'Sinnesentzug' experimentieren.
Aus der Schweiz kam Maggie Tapert, die sich der sakralen Sexualität mit 'Das heilige Fest’ zuwandte. Tristan Taormino - Buchautorin aus USA - führte 'G-Punkt' und 'Anale Vergnügen' vor, Janet Hardy (USA) zeigte Möglichkeiten auf, über spezielle Atem- u PC Muskel-Techniken Tantra mit BDSM zu verbinden.
Obwohl das Konzept der drei Tage lautete, allen Teilnehmern praktische Erfahrungen zu ermöglichen, waren auch einige Vorträge angeboten: in 'Ethical Sluthood' versuchte Janet Hardy Alternativen zur Monogamie aufzuzeigen. Das die SM-Szene zur Gay/Lesbischen keine Parallelwelt bilden muss, erzählte Paula Rosengarten und wurde gleich eindrucksvoll durch die Teilnehmer/innen der xplore04 bestätigt.

Den ersten Höhepunkt des Festivals bildeten am Samstagabend Liveperformances von Felix Ruckert, delta RA´i, Zamil und Caprice Dilba: wer sich SM in einer Tanzperformance bisher nicht vorstellen konnte, staunte begeistert: Caprice Dilba, Performerin und Produzentin des Festivals, 'musste' unter ihrer Augenmaske der Führung dreier männl Tänzer 'blind' vertrauen: klassische Tanzformen wie schnelles Rennen, Hebefiguren, geworfen, aufgefangen und getragen werden, Pas de deux/trois/quatre wechselten mit Momenten heftigen Peitschens und großer liebevoller Zärtlichkeit.
Im nachfolgende Freestyle LiveBondage wurden parallel mehrere Modelle blitzschnell in alle möglichen Hängebondages gefesselt. Jeder der 4 Meister ihres Faches hatte seinen eigenen Stil beim Fesseln. Nicole, Begleiterin und Bondage Modell von M Grimme, zeigte eine Selbstfesselung und konnte sich dabei sogar selber aufhängen. Der große Applaus für ihre Kunst war wohl verdient, man darf sie getrost als 5. Meisterin des Abends sehen.
Am Sonntagabend fand im Berliner Darkside Club eine große Abschluss-Party statt, wo etliches - soeben erlerntes - in die Form von Sessions gebracht wurde.

Die Einmaligkeit dieses Crossover-Events zog verständlicherweise Teilnehmer von weither an, so z.B. aus Italien und der Schweiz. Die Atmosphäre in den schönen Loft-Hinterhöfen war von Toleranz und großem gegenseitigen Interesse geprägt. Ein Cafe und eine Bar boten Treffpunkte zum Austausch und in der Nähe gab es genügend Ess-Lokale sowie Unterkünfte. Meine Befürchtung, dass ein so großes Angebot recht stressig werden könnte, hat sich nicht bestätigt: Die Stunden wurden immer entspannt und nicht selten heiter gestaltet.
Ein wenig schade fand ich, dass man sich zwischen den parallel laufenden Workshops entscheiden musste. Evtl. wäre zu überlegen, ob sie nicht zeitversetzt wiederholt werden könnten. Andererseits ist es auch nicht schlecht, wenn man Prioritäten setzen muss, statt unbedingt alles mitnehmen zu wollen.

Zweifellos ist das Event, das sich sympathisch und individuell direkt an die verschiedenen nicht-kommerziellen Subkulturen wandte, ein großer Gewinn für alle, die Synergien lieben und nach weiterführenden Impulsen suchen.
Sicher war es auch finanziell schwierig, ein so großes Ereignis auf die Beine zu stellen, welches mal nicht vom Sponsoring großer Sexbiz-Sellern umstellt wurde. Nicht zuletzt auch darum ist es sehr zu wünschen, dass xplore04 den Anfang einer Reihe bildet, die nächstes Jahr ihre erste Fortsetzung findet.